Meditation in Ruhe und Bewegung
Aus der Achtsamkeitspraxis

In den warmen Monaten ticken die Uhren oft anders: Viele Menschen sind gerne und länger draußen unterwegs, es gibt mehr Aktivitäten und Begegnungen im Freien, gleichzeitig gibt es Momente der Entschleunigung, etwa in der Natur. Oft haben wir vermehrt das Bedürfnis uns zu bewegen oder uns im Wasser abzukühlen oder uns tagsüber an kühlere Orte zurückzuziehen. Vielleicht sind wir im Urlaub und unsere Beschäftigungen unterscheiden sich von sonstigen Abläufen.
Was heißt das für die Meditation und unsere Achtsamkeitsroutinen? Vielleicht ist es ein guter Moment einmal einen Blick darauf zu werfen, welche Arten und Formen von Meditation es gibt, in Ruhe und Bewegung, in formaler Praxis und als Alltagsübung. Welche Wirkungsweisen haben sie und was kann man beachten?
Prinzipiell können wir in körperlicher Ruhe und in Bewegung meditieren. Klassische Formen formaler Praxis sind die Sitzmeditation und die Gehmeditation. Meist haben wir dabei einen reduzierten Fokus, etwa auf die Körperempfindungen des Atems und die Bewegungsempfindungen beim Gehen. Diese Methoden ermöglichen es zum einen, den Geist zu beruhigen. Das gilt auch, wenn in der Übung erstmal Gedankenunruhe deutlich wird und wir uns immer wieder in Geschichten verfangen. Indem wir den Geist geduldig und immer wieder zum einfachen Meditationsobjekt zurückholen, bringen wir ihm bei, dass es mit diesem einfachen Fokus viel Lohnenswertes zu entdecken gibt: Ruhe, Zufriedenheit, innere Qualitäten und Weisheit.
Wir müssen uns auch nicht grämen, wenn manchmal mehr Gedanken da sind. Achtsam beobachtet, können wir unsere Reaktivitäten und Muster erkennen, davon etwas lernen und im freundlichen Annehmen geduldig ihre Fesseln lösen. Weiterführende Methoden und Beobachtungsaufgaben in der Meditation unterstützen das Erkennen der menschlichen Natur oder fördern (Herzens-)Qualitäten. Der Weg kann nach und nach in innere Tiefe, Verstehen und Frieden führen.
Meditative Bewegungsformen wie etwa Yoga oder Qi Gong umfassen eine Vielzahl von Übungen. Hier kommt es auf die innere Haltung an, ob wir sie mit Achtsamkeit praktizieren oder uns etwa von inneren Antreibern leiten lassen. Achtsam können wir den Körper in Bewegung bewusst erleben. Hier ist der Geist zudem mit Bewegungsabläufen, Atemtechniken und Beobachtungsaufgaben beschäftigt. Meist ist die Wirkung unmittelbar entspannend und ausgleichend im "Energie"-System Mensch. Das kann zudem eine gute Vorbereitung sein, um bereits mit entspannterem Körper und Geist beispielsweise eine Sitzmeditation zu beginnen. Wenn wir darauf achten, kultivieren wir mit diesen Formen auch eine Haltung von Achtsamkeit, Annahme, Freundlichkeit, Harmonie und Verbundenheit.
Bei alltäglichen Bewegungsformen wie etwa Gehen, Laufen, Radfahren oder Schwimmen können wir eine Wahl treffen, mit welcher inneren Haltung wir sie durchführen. Sind wir sehr vom Tun-Modus geprägt, laufen im Geist Ideen und Soll-Ist-Abgleiche mit, Gedanken reagieren assoziativ auf Sinnesimpulse und wir erzählen uns Ich-Geschichten über das was wir tun, getan haben, tun sollten oder werden. So verstricken wir uns leicht in geistige Gebilde, die wie Wolken das verdecken, was eigentlich im jetzigen Augenblick geschieht.
Eine achtsame Haltung hingegen richtet uns immer auf den gegenwärtigen Moment aus, ähnlich wie bei einer Meditation. Körperempfindungen bewusst wahrzunehmen ist ein einfacher und immer zur Verfügung stehender Fokus für die Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, zum Beispiel auch bei körperlicher Bewegung und sportlichen Aktivitäten.
Auch andere Sinneseindrücke können wir im Zusammenspiel mit Körper und Geist erleben. Ist es einfach ein Spüren, Hören, Sehen und Riechen in relativer geistiger Ruhe? Zum Beispiel das Erleben des Wassers über die Sinneskanäle. Und wann beginnen Assoziationen, Gedanken von mögen oder nicht-mögen und Geschichten von mir, mein und mich?
Wie in der formalen Meditation, können wir uns über alles Erleben bewusst werden und die Aufmerksamkeit immer wieder auf etwas Einfaches lenken: etwa die Körperempfindungen jetzt in diesem Moment. So erfahren wir Beruhigung, bewusstes Erleben, Erkennen und wiederum ein bisschen mehr Ruhe und bewusstes Erleben und so weiter, ähnlich wie in der Meditation auf dem Kissen, auch wenn es nicht so konzentriert und fokussiert sein mag, weil einfach mehr los ist.
Wie verhalten sich formale Meditation, Körperübungen und achtsame Bewegungen zueinander? Sie können sich gegenseitig unterstützen. Es ist empfehlenswert, regelmäßig und in Ruhe formal zu meditieren. Wir trainieren damit Achtsamkeit und andere meditativen Fähigkeiten wie Muskeln. Wir können dabei detaillierter beobachten und tiefer blicken. Dies geübt, macht es uns möglich, auch alltäglichere Bewegungen leichter mit achtsamer Haltung zu erleben. Und wenn wir das beim Gehen, Laufen, Schwimmen oder in anderen Momenten ruhiger Bewegung öfter machen, tut wir uns wiederum bei der Meditation auf dem Kissen leichter. Diese Erfahrungen wirken auch in lebhaftere Momente im Alltag hinein wie eine Brücke: wir haben gelernt, auch in Bewegung achtsam zu sein.
Vielleicht können diese verschiedenen Möglichkeiten gerade im Sommer dazu inspirieren, Achtsamkeit in unterschiedlichen Facetten zu praktizieren, drinnen und in der Natur, in Ruhe und Bewegung, in formaler Praxis, bei meditativen Bewegungsformen oder bei ruhigeren Aktivitäten.









