Bodenkontakt
Kristina Kluge-Raschke
Achtsamkeit im Alltag

Kennst du das? Du eilst geschäftig durch das Leben und hast das Gefühl, dich gar nicht richtig zu spüren und im Autopiloten unterwegs zu sein. Und manchmal - auch wenn die vielen ToDos langsam weniger werden - bleibt die geistige Verfassung ähnlich reaktiv und abwesend. Bodenkontakt kann im Alltag zu einem leisen Anker werden, der immer da ist – beim Zähneputzen, an der Ampel, im Meeting oder im Gespräch. Achtsamkeit beginnt oder endet dann nicht auf dem Meditationskissen, sondern es gibt kleine Achtsamkeitsinseln mitten im Tag, genau dort, wo du ohnehin gerade stehst oder gehst.
Es gibt viele Aussprüche, die beschreiben, wie es ist, wenn wir in Gedanken sind: mit dem Kopf in den Wolken sein, in Gedanken wo anders, nicht ganz bei sich sein, sich in Gedanken verlieren und so weiter. Sie alle beschreiben einen Zustand, in dem wir nicht wirklich das Hier und Jetzt erfahren, sondern unser Erleben sich in Konstrukten unseres Geistes bewegt, in Zukunft, Vergangenheit und Ich-Geschichten.
Eine Möglichkeit, wieder bei uns anzukommen ist es, die Körperempfindungen bei der Berührung mit dem Untergrund zu spüren. Bodenkontakt ist eine einfache Einladung, Körper und Geist wieder zusammenzubringen: Dich zu spüren, wo du bist und dem Moment Raum zu geben.
- Spüre, wie die Füße den Boden berühren, ohne etwas verändern zu wollen.
- Nimm wahr, wie dich die Erde trägt – ob du sitzt, stehst oder gehst.
- Erlaube den Gedanken, für einen Moment in den Hintergrund zu treten, ohne sie wegzuschieben.
In Phasen von Hektik, Unsicherheit oder innerer Unruhe neigt der Geist dazu, in Schleifen zu kreisen, wir heben sozusagen ab. Das bewusste Spüren der Berührpunkte kann dann wie eine leise Erinnerung sein: Du bist hier, jetzt, in diesem Körper, auf dieser Erde.
Achtsamkeit im Alltag braucht nicht viel Zeit, sondern Wiederholung und Freundlichkeit dir selbst gegenüber. Bodenkontakt kann dabei zu einem Ritual werden, das sich unaufdringlich in deinen Tag einwebt.
- Nimm im Stehen bewusst dein Gewicht wahr, wie es sich über die Fußsohlen verteilt.
- An der Supermarktkasse: Spüre die Füße, den Boden, den Atem – während alles um dich herum weiterläuft.
- Im Bus oder Zug: Lehn dich innerlich an den Sitz, nimm die Auflageflächen deines Körpers wahr, ohne am Handy zu scrollen.
- Im Arbeitsalltag: Bevor du sprichst oder eine E-Mail abschickst, gönn dir zwei Atemzüge mit bewusstem Fußkontakt.
- Beim Gehen: die Berührung der Füße und die Gehbewegung spüren – Schritt für Schritt.
In dieser Praxis liegen zugleich Einfachheit, ein pragmatisches Werkzeug und die Möglichkeit tiefer zu Blicken: ein Tor zu Stille und Weisheit.
- Du kannst das bewusste Erleben von Körperempfindungen nutzen, um geerdet im jetzigen Augenblick zu sein, statt in den Wolken des Geistes
- Du kannst über den Kontakt mit dem Boden die Haltung der Achtsamkeit aktivieren und eine gelassenere, weisere und liebevollere Geisteshaltung unterstützen
- Du kannst im Spüren der Berührpunkte beobachten, wie alles entsteht und vergeht: diese Körperempfindung wird von einer Neuen abgelöst, dieses Erleben des Da-Seins von einem Neuen
- Du kannst das Leben in einer von-Moment-zu-Moment Erfahrung erleben: im Innen und Außen ein Fluss, den wir nicht festhalten müssen und können









